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Eine Desinformationskampagne Moskaus im Vorfeld der Einladung der Familie Raoul Wallenbergs

"DIE WELT", 2. Juni 1989
Wallenberg:
Der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg, der nach Kriegsende in einem Moskauer Gefängnis starb, wurde erstmals von offizieller sowjetischer Seite gewürdigt.

"DIE WELT", 9. Juni 1989
UdSSR will im Fall Wallenberg helfen
Die UdSSR wird alle zur Aufklärung des Falls Wallenberg verfügbaren Informationen und Dokumente bereitstellen, kündigte der stellvertretende UdSSR-Außenminister Petrowsky am Freitag an.
Der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg, der im Zweiten Weltkrieg Tausende verfolgter Juden gerettet hatte, war im sowjetisch kontrollierten Gebiet 1945 verschwunden. Die Sowjets behaupten, er sei 1947 gestorben. Eine internationale Expertenkommission kam in einem Bericht, der am Donnerstag veröffentlicht wurde, zu dem Schluß, daß Wallenberg vielleicht doch noch leben könne, da Zeugen ihn noch in den 80er Jahren im Gefängnis gesehen hätten.

"DIE WELT", 29. Juli 1989
Neues Material zu Fall Wallenberg?
Die sowjetischen Behörden sind bereit, "das gesamte verfügbare Material über das Schicksal und den Tod " des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg zu veröffentlichen, der seit Ende des Zweiten Weltkrieges als verschollen gilt. Dies meldete gestern die israelische Zeitung "Jediot Acharonot". Wallenberg hatte in Budapest Tausende Juden vor den Nazis gerettet und wurde 1945 von den einmarschierten Sowjets festgenommen. Ehemalige Häftlinge berichteten, Wallenberg in Gefängnissen in Sibirien gesehen zu haben.


Moskau News, Oktober 1989, deutschsprachige Ausgabe (Auszüge):
Raoul Wallenbergs Schwester fährt nach Moskau
Schicksal des schwedischen Diplomaten soll vor Ort geklärt werden

von Boris Pankin, Botschafter der UdSSR in Schweden

In der Sowjetunion hat höchstwahrscheinlich kaum jemand den Namen Wallenberg gehört, während ihn in Schweden jedes Kind kennt. Das ist eine kurze Geschichte, ebenso kurz wie Raoul Wallenbergs Leben, aber voll der gleichen Tragik, wie sie mehreren Generationen sowjetischer Menschen anhaftet.
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Sein Auftrag lautete, wenigstens einen Teil der nch nicht vernichteten jüdischen Bewohner der ungarischen Hauptstadt zu retten.
Eingesetzt wurde alles, was nur möglich war: Geld, die Autorität des neutralen Status Schwedens, der Einfluß der Familie, internationaler Organisationen ...
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Man sagt, er habe dem Einmarsch der Roten Armee als einem Glückstag entgegengesehen, sei selbst zu den Siegern gegangen, um sich vorzustellen ... und verschwand.
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Eine Meldung des Chefs des Sanitätsdienstes im Lubjanka-Gefängnis, Smolzow, an den damaligen Minister für Staatssicherheit, Abakumaow, in der es hieß, der dort unter besonderer Aufsicht des Ministers befindliche Häftling Wallenberg sei in seiner Zelle verstorben, vermutlich an einem Herzinfarkt.
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Das ist die ganze schreckliche, in vielem für die damalige Zeit typische Geschichte.
Man sollte meinen, was könnte infernalischer sein, als diese Wahrheit? Doch wer einmal lügt ...
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Immer wieder wurden, leider erfolglos, die Archive des KGB durchforstet. ...
Meine Worte (den Verwandten gegenüber) laufen darauf hinaus, daß ein Toter nich zu erwecken ist. Was uns bleibt, ist, seine edle Tat ein weiteres Mal zu rühmen, seinem Volk und seinen Angehörigen unser tiefepfundenes Beileid und unser Schuldbekenntnis auszusprechen ... Wir sind bereit, alles zu unternehmen, um das zwischen unseren Völkern wachsende Vertrauen zu fördern und den "Fall" Raoul Wallenberg zum Fall eines ehrenden Gedenkens zu machen. ...