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Die Paranoia der Sicherheitskräfte oder das Verhältnis von Information zu Desinformation
FAZ vom 19. Dezember 2000, S. 58

Moskaus chinesisches Modell
Pressefreiheit ist antastbar: Wie der Kreml die Medien gefügig macht

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In ihren Bemühungen, die Medienberichterstattung an die staatliche Kandare zu nehmen, schreitet die Präsidentenmannschaft unterdessen erfolgreich voran.
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In Wolgograd haben Journalisten ein Denunziations-Abkommen mit den Geheimdiensten geschlossen. Darin verpflichten sie sich, keine mißliebigen "Desinformationen" über deren Tätigkeit zu verbreiten und Informanten, die dergleichen "Desinformation" anbieten, den Sicherheitsorganen anzuzeigen.
Investigativer Journalismus erfordert Heldenmut. ... Das verdeutlicht unter anderem die in diesem Jahr veröffentlichte staatliche Doktrin zur Informationssicherheit, die nicht die Informationsfreiheit sichert, sondern die staatlichen Institutionen zum obersten Gut erklärt. Die "objektive" - das heißt genehme - Darstellung der staatlichen Politik in den Medien wird auf diese Weise als Überlebensfrage der Nation ausgegeben. "Desinformation" hingegen verletzt staatliche Interessen und soll durch staatliche Gegenpropaganda bekämpft werden. Die Interessen des einzelnen, von dem insbesondere Patriotismus und Verteidigungsbereitschaft erwartet werden, sind der Doktrin zufolge nur insoweit zu schützen, als sie den Interessen des Staates dienen.