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Bericht Wallenbergs vom 22. Oktober 1944 über die Lage in Budapest

Der erste Bericht des jungen schwedischen Diplomaten nach dem Putsch der ungarischen Faschisten im Oktober 1944 unter dem Datum des 22. Oktobers 1944 bietet eine Beschreibung der von großer Brutalität gekennzeichneten Situation.
"Seit dem letzten Bericht hat sich die Lage der Juden in Ungarn bedeutend verschlechtert.
Die neue Regierung beabsichtigt, die Juden für die Verteidigung des Landes und von Budapest zu nutzen ...
Die Sanktion für die geringste Überschreitung der erlassenen antijüdischen Anweisungen war die Todesstrafe. In den ersten Tagen des Putsches erfolgten zahlreiche Verhaftungen, es wurden mehrere Pogrome verübt. Die Grausamkeiten führten zur Ermordung von circa einhundert bis zweihundert Menschen.
Die Pfeilkreuzler (Name der ungarischen Faschisten) lösten einige Judenhäuser auf und steckten deren Bewohner in Internierungslager. Die Leute wurden in der Mehrheit wieder freigelassen, jedoch verschwanden einige hundert Menschen.
Alle Männer in einem Alter zwischen 16 bis 60 Jahren wurden verschleppt und müssen Zwangsarbeit leisten ...
Ein sechzig Jahre alter Jude wurde tot an einer Straßenseite mit einer Zeitung bedeckt aufgefunden. Er wies sichtbare Zeichen der Mißhandlung auf ...
Mehrmals griffen Banditen mit Waffengewalt die Inhaber von Schutzpässen an und zerrissen die Dokumente ... Die Exterritorialität von Gebäuden des schwedischen Roten Kreuzes wurde zweimal verletzt ...
Die Geschehnisse des 17. Oktober sind in ihrer Auswirkung auf unsere Abteilung katastrophal, das gesamte Personal blieb der Arbeit fern ... Ich war den ganzen Tag gezwungen, mit Hilfe eines Damenfahrrades auf von Banditen beherrschten Straßen zu fahren, um die Fäden neu zu knüpfen. Am zweiten Tag wurde das gefährdete Personal mit einem Auto eingesammelt und in Sicherheit gebracht, ... bis schließlich der Status Quo wiederhergestellt wurde ... Die Einstellung der feindlichen Maßnahmen gegenüber den Besitzern von Schutzpässen ist weitgehend der Erfolg unserer Abteilung. Die Inhaber sind von der Leistung von Zwangsarbeit nach der Bestechung von Behörden ausgenommen, ebensowenig finden Internierungen statt."